Erto und Casso
am Vajont-Stausee
zwei historische Dörfer
Die Dörfer Erto und Casso liegen am ehemaligen Vajont-Stausee, direkt gegenüber dem Monte Toc.
Beide Orte waren unmittelbar von der Katastrophe von 1963 betroffen und tragen diese Geschichte bis heute.
Bei Vajont denken viele oft zuerst an die Staumauer. Wenn du hierher kommst solltest du dir aber unbedingt mehr ansehen. Nämlich die Dörfer, in denen in einer einzigen Nacht alles anders wurde.
In diesem Beitrag nehmen wir dich mit nach Erto e Casso und zeigen dir, was es abseits der bekannten Staumauer zu entdecken gibt.
Die Vajont-Staumauer: Was 1963 geschah
Der steigende Energiebedarf im Nachkriegsitalien schuf die Voraussetzungen für den Bau der gewaltigen Vajont-Staumauer.
Was zunächst nach einem Meisterwerk klang, brachte jedoch ein Problem mit sich. Das Vajont-Tal war nämlich gänzlich ungeeignet für so ein Mega-Projekt.
Die 261,6 Meter hohe Vajont-Staumauer wurde also in den 1950er Jahren vom Energieunternehmen SADE errichtet. Schon während der Bauarbeiten war bekannt, dass der gegenüberliegende Monte Toc instabil war. Geologische Untersuchungen hatten dort eine alte Rutschungsmasse, die sogenannte Paleofrana, festgestellt.
Es gab bereits vor der Katastrophe Risse und Bewegungen am Hang. 1960 etwa rutschten rund 700.000 Kubikmeter Gestein in den Stausee und lösten eine etwa zehn Meter hohe Welle aus. Also musste die Rutschung ab sofort kontrolliert werden. Somit wurde der Wasserspiegel ab diesem Zeitpunkt immer wieder angehoben und abgesenkt.
Und trotz der Warnzeichen wurde das Projekt weitergeführt.
Am 9. Oktober 1963 lösten sich schließlich rund 270 Millionen Kubikmeter Gestein und Erde vom Monte Toc und stürzten in den Stausee. Die gewaltige Masse verdrängte das Wasser und löste eine Flutwelle aus, die ins Tal raste und fast 2.000 Menschen das Leben kostete.
Die Staumauer selbst blieb dabei nahezu unbeschädigt.
Damit du dir diese Menge vorstellen kannst: Ein großer Reisebus fasst ungefähr 50 bis 60 Kubikmeter. Die Rutschung entsprach damit grob dem Volumen von rund fünf Millionen Reisebussen. Eine kaum vorstellbare Masse, die innerhalb weniger Sekunden in den Stausee stürzte.
Vajont-Staumauer: Häufige Fragen
Ja! Du kannst di Vajont-Staumauer besichtigen. Jedoch nur mit einer geführten Tour. Die Besichtigung dauert circa eine Stunde.
Ja! Für den Besuch der Vajont-Staumauer brauchst du ein Ticket. Du kannst es vorab online auf vivaticket.com für einen bestimmten Tag und Time-Slot buchen. Oder aber du kaufst es direkt an der Kasse vor Ort.
Das Ticket kostet 7 € pro Person. Beim Online-Kauf musst du außerdem 1 € Gebühr draufzahlen.
Wo kann man an der Vajont-Staumauer parken?
Direkt an der Vajont-Staumauer gibt es mehrere Parkplätze. Alle Parkplätze sind kostenpflichtig. Von dort gelangst du über einen eigens angelegten Fußgängerbereich zur Staumauer.
Monte Toc: der Berg der ins Wasser rutschte
Direkt gegenüber von Erto und Casso am Vajont-Stausee erhebt sich der 1.921 Meter hohe Monte Toc. Sein Name wird übrigens im lokalen Dialekt mit dem Wort patoc in Verbindung gebracht, was etwa morsch oder marode bedeutet.
Heute ist die gewaltige Narbe der Rutschung noch deutlich am Berg zu erkennen. Von Casso aus blickt man direkt auf die Stelle, an der sich 1963 die Erd- und Gesteinsmassen lösten.
Einmal rund um den ehemaligen Vajont-Stausee
Es ist möglich, einmal rund um den ehemaligen Vajont-Stausee zu fahren. Von Erto aus folgst du zunächst der Straße in Richtung Cimolais. Eine Abzweigung führt kurz nach einer Kapelle auf die gegenüberliegende Seite des ehemaligen Stausees.
Die schmale Straße verläuft durch die winzig kleinen Orte Prada und Pineda und anschließend direkt unterm Monte Toc entlang.
Hier fährst du also unmittelbar durch das Gebiet der gewaltigen Erd- und Gesteinsmassen, die 1963 vom Monte Toc in den Stausee stürzten. Die Rutschungsmasse, die damals in den See gelangte, liegt heute genau unter und neben der Straße.
Casso
Das kleine Bergdorf Casso liegt auf rund 950 Metern Höhe, direkt gegenüber dem Monte Toc. Rund 250 Höhenmeter unterhalb des Ortes lag einst der Vajont-Stausee.
Auch Casso selbst wurde von der Katastrophe getroffen. Die Flutwelle erreichte den Ort und beschädigte vor allem die tiefer gelegenen Bereiche, während der höher gelegene Teil weitgehend erhalten blieb. Nach der Katastrophe verließen viele Bewohner Casso. Bis heute wirkt das Dorf deshalb ungewöhnlich still und ist nur teilweise bewohnt.
Von der kostenfrei zugänglichen Aussichtsterrasse des Nuovo Spazio di Casso hast du einen eindrucksvollen Blick auf den Monte Toc. Genau gegenüber liegt nämlich der Hang, an dem sich 1963 die gewaltige Rutschung löste und in den Stausee stürzte.
Anreise und Parken: Parken kannst du in Casso kostenfrei. Die Straße nach Casso ist jedoch eine relativ steile Serpentinenstraße und sollte deshalb nicht unterschätzt werden. Reist du mit einem größeren Camper an solltest du außerhalb des Ortskerns parken.
Erto
Erto ist deutlich größer als Casso und liegt etwas tiefer am Hang des Vajont-Tals. Heute besteht der Ort aus zwei unterschiedlichen Bereichen. Besonders interessant ist jedoch Erto Vecchia, der alte Ortskern.
Hier scheint die Zeit teilweise stehen geblieben zu sein. Große Teile des alten Dorfes sind heute verlassen und wirken wie ein Geisterdorf. Zwischen den engen Gassen stehen alte Häuser, von denen viele nicht mehr bewohnt werden.
Besonders eindrücklich sind die verlassenen Innenräume. In einigen Häusern sind noch Möbel und Teile der ursprünglichen Einrichtung zu sehen. Es wirkt, als hätten die Bewohner ihre Häuser eines Tages verlassen und vieles einfach zurückgelassen.
Gerade dieser Kontrast macht Erto Vecchia so besonders: Zwischen den alten Steinhäusern findet man noch Spuren des früheren Alltags, während die Natur langsam beginnt, sich ihren Raum zurückzuholen.
Anreise und Parken: Parken kannst du in Erto kostenfrei auf diesem großen Parkplatz. Der Ort liegt übrigens direkt an der Bundesstraße SR251 die die Vajont-Staumauer mit Cimolais verbindet. Erto ist somit leichter erreichbar als das Bergdorf Casso.
Fazit: Erto und Casso am Vajont-Stausee
Wenn du die Geschichte des Vajont wirklich verstehen möchtest, reicht es unserer Meinung nach nicht aus, nur die berühmte Staumauer zu besichtigen und anschließend weiterzufahren.
Erto und Casso sollten bei einem Besuch des Vajont-Stausees deshalb unbedingt auf deiner Liste stehen. Erst wenn man durch die alten Gassen geht, die Häuser sieht und auf den Monte Toc blickt, bekommt die Geschichte einen ganz anderen Bezug.




